(ben) Über dieses Spiel wurde noch lange nach dem Schlusspfiff diskutiert. Weniger wegen des knappen und positiven Ausgangs für die VfB-Damen, sondern viel mehr über einen Unparteiischen dem jegliches Gespür für den Handballsport abhanden gekommen sein muss.
Normalerweise ist der Autor dieser Zeilen dafür bekannt sich nicht negativ über Schiedsrichter zu äußern, aber das selbstdarstellerische Auftreten des Unparteiischen in einem Frauen-Kreisligaspiel (es war nicht das WM-Endspiel !!) muss Erwähnung finden.
Zu Beginn des Spiels machte der Schiedsrichter die Mannschaftsoffiziellen auf das Verhalten im Auswechselraum aufmerksam, die im Auswechselraum-Reglement der IHF festgehalten sind.
Beispielsweise erläuterte der Schiedsrichter, dass die Spieler auf der Bank innerhalb des Auswechselraumes zu sitzen haben. Der Auswechselraum ist laut IHF und EHF-Regeln nicht bis zur Wechselmarke begrenzt wie der Unparteiische es auslegte, sondern wortwörtlich folgendermaßen definiert:
"1. Die Auswechselräume befinden sich links und rechts der Verlängerung der Mittellinie, außerhalb der Seitenlinie, bis zum Ende der jeweiligen Auswechselbank und, wenn es die Platzverhältnisse ermöglichen, auch hinter den Bänken...." (nachzulesen auf www.handballregeln.de)
So mussten sich die Auswechselspielerinnen beider Mannschaften also theoretisch auf den einen Meter langen Raum von Bankbeginn bis hin zur Wechselmarke förmlich quetschen.
Gleich zu Beginn des Spiels wurde dann der Hille Trainer ohne Ermahnung progressiv bestraft, weil er im Auswechselraum stehend Anweisungen gab. Was er aber darf!
Auch hierzu der Regeltext im Wortlaut:
"Grundsätzlich sollten sie (die Offiziellen) auf der Mannschaftsbank sitzen.
Den Offiziellen ist es jedoch erlaubt, sich im Auswechselraum zu bewegen, insbesondere um: [...]
- taktische Anweisungen an Spieler auf der Spielfläche und der Bank zu geben [...]"
Nichts anderes Tat der Hiller Trainer, wie etwas später auch Andreas Steinkamp. Beide sahen dafür die gelbe Karte. Auch diese Form der Bestrafung gibt der Regeltext zunächst nicht her, demnach hätte es nämlich auch eine Ermahnung getan, (wenn man denn der Meinung ist der Auswechselraum wäre verlassen worden)
Als dann auch noch die Herrenmannschaft sich für das folgende Spiel Aufwärmen wollte untersagte der Schiedsrichter dies, unter anderem wegen des Lärms der geprellten Bälle. Man kann dem Schiedsrichter nur wünschen, dass er niemals ein höherklassiges Spiel pfeiffen muss, wo er dann womöglich auch noch mit trommelnden oder schreienden Zuschauern leben muss.
Auch während des Spiels kam es auf beiden Seiten mehrfach zu überzogenen Zeitstrafen wegen Lapalien, wie nicht eingehaltenem Abstand, oder einer Zehenspitze über der Neunmeterlinie bei einem Freiwurf. Insgesamt gab es 15 Zeitstrafen und zwei rote Karten. Und das obwohl es kein übertrieben hartes Spiel war. Kopfschüttelnd quittierten Spieler, Offizielle und Zuschauer diese Schiedsrichterleistung ohne jegliches Fingerspitzengefühl und Verhältnismäßigkeiten.
Aber Handball wurde tatsächlich auch gespielt:
Nach vier torlosen Minuten traf Tina Clarus zum 1:0 für dem VfB. Bis zum 2:2 blieb das Spiel offen, ehe unkonzentrierte Abschlüsse dafür sorgten, dass die Gäste mit 2:5 in Führung gehen konnten.
Ein Siebenmetertor von Ilona Steinkamp und ein Rückraumtor von Mareike Pott brachten den Anschluss, ehe Maren Minuth im Fabbenstedter Tor einen Siebenmeter halten konnte. Den abprallenden Ball schnappte sich Tina Clarus, die aber durch ein Foul siebenmeterreif gestoppt wurde. Leider konnte Ilona Steinkamp diese Chance zum Ausgleich in der 17. Minute nicht nutzen. Besser machte es dann Vera Kuhn mit einem Treffer vom Kreis.
Nach einem erneuten Hiller Doppelschlag sorgten Christina Meier und Mareike Pott für den 7:7 Halbzeitstand.
Der schnellen Führung in der zweiten Hälfte durch Vera Kuhn folgte postwendend der Ausgleich. Die Chance zur erneuten Führung vergab zunächst Mareike Pott vom Siebenmeterpunkt. Tina Clarus machte es kurz drauf besser und verwandelte den nächsten Strafwurf zum 9:8. Die beiden siebenmetereifen Fouls hatten zwei Hiller Strafzeiten zur folge, so dass der VfB fast eineinhalb Minuten in doppelter Überzahl agierte. Jedoch scheiterte man in dieser Phase ein ums andere Mal aus aussichtsreicher Position an der Hiller Torhüterin oder warf am Tor vorbei.
Als Hille wieder komplett war und der Schiedsrichter bereits den Arm oben hatte brachte ein Verzweiflungswurf in den Winkel die Gäste wieder in Führung. Nun hagelte es auf der anderen Seite Zeitstrafen. Es traf Tina (wegen angeblich an falschem Ort ausgeführtem Freiwurf) und Vera.
Aber auch Hille konnte diese Phase lediglich zu einem einzigen Siebenmetertreffer nutzen. Als Tina zurück war traf Ilona Steinkamp - immer noch in einfacher Unterzahl- zum 10:10.
Einem verworfenen Siebenmeter von Hille folgte die nächste Zeitstrafe. Dieses mal gegen Ilona Steinkamp wegen Meckerns. In Überzahl trafen die Hiller zum 10:11 und Vera war die nächste, die sich auf der Bank wiederfand, worauf Hille per Siebenmeter zum 10:12 traf. Wenige Sekunden später musste dann auch Saskia Meyer auf die Bank.
Mal wieder per Siebenmeter erhöhte Hille dann sogar auf 10:13. Und weiter wurden munter Zeitstrafen verteilt, auf beiden Seiten.
Tina Clarus verkürzte per Siebenmeter (natürlich mit gemeinsamer Zeitstrafe) zum 11:13.Danach sah sie dann auch mal wieder die beiden gehobenen Finger.
Den fälligen Strafwurf setzte Hille an den Pfosten.
Beim folgenden Gegenstoß wurde eine Fabbenstedterin dann beim Torwurf gefoult. Es gab erneut Siebenmeter, und zur Überraschung vieler Rot für die Hillerin. Regeltechnisch durchaus keine Fehlentscheidung aber mal wieder kein Fingerspitzengefühl.
Weil Tina auf der Strafbank weilte trat Ilona Steinkamp an und verwandelte sicher zum 12:13. Einer Glanzparade Maren Minuths im Tor, folgte ein Lattenkreuztreffer von Saskia Meyer. Wenig später aber war der hochverdiente Ausgleich endlich hergestellt. Erneut war Ilona Steinkamp erfolgreich. Die Endphase brachte erneut eine Zeitstrafenflut für Hille. Innerhalb von einer Minute gab es drei Hinausstellungen, einer davon war die dritte für eine Hillerin und hatte demnach die Disqualifikation in der 57. Minute zur Folge.
In der Überzahl traf dann Mareike Pott zum 14:13. Den letzten Wurf der Hiller konnte Maren Minuth halten, und so den Sieg sichern.
Der glückliche Sieg geht in Ordnung! Aber das Spiel war dank des Schiedsrichters
alles andere als Handball. Ist man also auf der Suche nach guter und billiger Comedy, sollte man wohl einfach die nächsten Handballspiele aufsuchen, für die dieser Schiedsrichter angesetzt ist.
Statistik:
Maren Minuth (13/1 Paraden), Christina Meier (1), Tina Clarus (3/2), Vera Kuhn (3), Mareike Pott (3), Marie Schiereck, Saskia Meyer, Mona Behnke, Caro Hußmann, Ilona Steinkamp (4/2), Anja Uetrecht
Siebenmeter:
VfB: 4/7 Ilona, Caro und Mareike scheitern
Hille: 2/5 einmal hält Maren, einmal Pfosten, einmal vorbei